
Bederkesa ist seit zehn Jahren ein Bad – Feier zum Jubiläum
Von Christoph Bohn
Bad Bederkesa. Der Zusatz „Bad“ ist vom Ortsnamen Bederkesa nicht mehr wegzudenken. Vor zehn Jahren bekam ihn der Ort verliehen – eine Tatsache, die während des Seefestes (17. bis 20. August) groß gefeiert werden soll. Aber bereits jetzt arbeitet alles auf das Jubiläum hin.
So ist in der Tourist-Info seit kurzem der Gästeführer „Der kleine Ortsspaziergang“ erhältlich. Im handlichen Format gibt er einen Überblick über alle großen und kleinen Sehenswürdigkeiten von Bad Bederkesa sowie die touristischen Angebote der umliegenden Dörfer. „Der Gästeführer bietet Gästen aus Nah und Fern eine gute Möglichkeit, die besondere Erlebnis- und Wohlfühlqualität zu entdecken, die durch die Verbindung von Naturlandschaft, Sehenswürdigkeiten und Gastronomie in und um Bad Bederkesa geboten wird“, meint Samtgemeindebürgermeister
Sven Wojzischke. Dabei habe der Gästeführer eine lange Tradition. Bereits 1898 erschien der erste Ortsführer, eine weitere Auflage erschien 1927. Neben dem „Veranstaltungskalender 2006“ ist aber die Festschrift „10 Jahre Bad
Bederkesa“ das zentrale Dokument. Immerhin wird dort die alte Kur-Tradition des jungen Moorheilbades beleuchtet.
„Der Erholungswert unserer schönen Landschaft hat seit dem 17. Jahrhundert immer wieder pensionierte Verwaltungsbeamte oder Offiziere und begüterte Kaufleute veranlasst, in Bederkesa ihren Ruhesitz zu nehmen“,
weiß Wojzischke. Besondere Bedeutung habe aber das gute Quellwasser gehabt – ein Wasser, das gesundheitsfördernde Wirkung hatte, weshalb die Quellen als Heilquellen galten. Der früheste Hinweis hierzu stammt aus dem Jahr 1722. Damals bekam die lahme Tochter eines Pastoren aus Otterndorf durch Baden in dem schwefelhaltigen Wasser einen Teil ihrer Beweglichkeit wieder.
„Besonders das Brunnenholz – das Wäldchen, das sich über die Karolinenhöhe
erstreckte – mit seinem klaren und gesunden Quellwasser kann als Ursprung der einsetzenden touristischen
Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert angesehen werden“, meint Wojzschke. In der Folgezeit wurde jedoch
mehr und mehr die Seeregion interessant: So fuhr 1867 ein Dampfschiff auf dem See, und ab 1876 wurden Ruder und Segelboote vermietet. Ende Mai 1896 wurde die Eisenbahn eingeweiht, was dem Tourismus einem neuen Anstoß gab – auch wenn viele Fahrgäste bereits in Drangstedt ausstiegen.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erste Anläufe, einen Kurbetrieb zu schaffen und als staatliches Moorbad
anerkannt zu werden. 1904 baute der junge Burg-Gastwirt Martin Mohrmann mit Schlamm aus dem See und
dem klaren Wasser aus dem Brunnen einen Kurbetrieb mit Schlamm- und Schwefelbäder auf. Doch als der Gastwirt
1906 an einer Lungenentzündung starb, bedeutete das auch gleichzeitig das Ende seines Traumes. Anfang
1929 wurde ein „Ausschuss für Gründung eines Schwefelmoorbades“ gebildet. Doch am 4. November 1930 fanden
die Bestrebungen ein Ende, als der Vertreter der Krankenkassen des Unterwesergebiets mitteilte, dass nach Eröffnung des Moorbades Bramstedt in Schleswig-Holstein kein weiteres Bad unterstützt werden könne.
Begehrter Zusatz
Erst ab den 1970er Jahren bekam Bederkesa die ersten Titel zuerkannt: „Luftkurort“, „Moorheilbad“ und schließlich
im Jahr 1996 den begehrten Zusatz „Bad“. „Doch damit war die Erfolgsgeschichte von Bederkesa nicht beendet“,
betont Wojzischke und nennt als weitere Punkte: 1999 Bau der Ortsumgehung, 2000 Museumsbahn nimmt
ihren Betrieb auf, 2002 Teileröffnung des Moorlehrpfads, 2003 Gesamteröffnung, 2004 Eröffnung der
Moortherme, 2005 Eröffnung der Moorbahn und schließlich 2006 die Entschlammung des Sees.
Aber auch in Zukunft soll sich Bad Bederkesa weiterentwickeln. Ein erster kleiner Schritt war die Entfernung
von Büschen am See. „Dadurch hat man jetzt wieder freien Blick von der Burg aufs Wasser. Deswegen kommen viele Besucher“, meint Wojzischke. Für die Zukunft sieht der Samtgemeindebürgermeister eine große Chance
im geplanten Ferienhausgebiet.
Das steigere nicht nur die Kaufkraft, sondern sorge auch für eine bessere Auslastung der öffentlichen Infrastruktur
wie Moortherme und Burg. Des Weiteren stehe die Sanierung des Ortskerns mit Amts- und Mattenburger
Straße an. „Es geht um das Kunststück, zum einen den Pkw den Zugang zu den Geschäften zu ermöglichen, zum anderen aber die Emissionen zu reduzieren“, sagt Wojzischke. Hierzu könnten auch EU-Gelder beantragt
werden, schließlich gehe es um die Entwicklung eines ganzen Ortes.
Doch vorerst steuert alles auf das diesjährige Seefest mit der Jubiläumsfeier zu. Von Donnerstag, 17., bis Sonntag, 20. August, soll groß gefeiert werden. Dabei sind neben den üblichen Festivitäten mehrere Sonderaktionen
zum Jubiläum geplant. So steigt an dem Donnerstag ab 19 Uhr die offizielle Eröffnungsfeier. Einen Tag später
findet um 11 Uhr eine Talkrunde zum Thema „10 Jahre Bad Bederkesa – welche Hoffnungen und was davon
übrig geblieben ist“ statt. Ein Höhepunkt soll am Sonntag die Krönung der Sonnenblumenkönigin werden. „Dieses
Jahr werden alle befreundeten Majestäten in Cabrios durch den Ort gefahren“, verrät Alice Roes von der Tourismus-,
Kur- und Freizeit-GmbH.
Zehn Jahre „Bad“ Bederkesa sind für Wojzischke ein Grund zum Feiern, obwohl der Flecken als Kurort schon
300 Jahre bekannt gewesen ist. „Wenn es damals glücklicher für uns gelaufen wäre, wäre Bederkesa der erste
Kurort Niedersachsens geworden. Das Potenzial dafür hatte der Ort“, ist er überzeugt.

Auszug aus dem Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung vom 09.07.2006
Viele Höhepunkte ab Donnerstag während des Seefestes

Seit zehn Jahren darf sich der Flecken Bad Bederkesa nennen. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanges Streben nach staatlicher Anerkennung als Erholungsort, Luftkurort und Moorheilbad. Am 1. Oktober 1996 zeichnete der damalige niedersächsische Innenminister Gerhard Glogowski den Kurort mit dem Bad-Prädikat aus. Das Jubiläum soll im Rahmen des „Beerster Seefestes“ vom 17. bis 20. August gefeiert werden.
„Ganz bewusst haben wir die Jubiläumsfeier als Höhepunkt aller touristischen Aktivitäten vorverlegt,“ erläutert Samtgemeindebürgermeister Sven Wojzischke. Das Seefest biete dafür als Krönung der Hochsaison den idealen Rahmen. In einer Feierstunde wird der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Donnerstagabend vor regionaler Prominenz sprechen und das Festspektakel eröffnen. Die schon traditionelle Vereidigung der Bremerhavener Marine-Rekruten lockt die Menschen am Freitagabend mit klingendem Spiel in den Kurpark.
Talkrunde mit Politikern
In einer vom Bremer Swing-Trio „Triple Pack“ aufgelockerten Talkrunde sollen Vertreter der Lokalpolitik, des Gewerbevereins und der Polizei am Sonnabendmorgen die zehnjährige Geschichte des Bades im Wandel der Zeit erörtern. Dabei ist auch der ehemalige Gemeindedirektor Wilfried Habenicht, der an der Entwicklung des Fleckens an leitender Stelle maßgeblich beteiligt war. Danach füllen Flohmarkt, Präsentation der Vereine, ein Drachenbootrennen auf dem Kanal
und Seerundfahrten sowie Fackelschwimmen und Lampionfahrt das Sonnabend- Programm,
das mit einem von klassischer Musik begleiteten Feuerwerk auf dem See seinen Höhepunkt
erreicht. Im Mittelpunkt des verkaufsoffenen Bädersonntags steht die von der Volksbank im Landkreis Cuxhaven finanziell unterstützte Präsentation der Königinnen Niedersachsens mit der Krönung der neuen Beerster Sonnenblumenkönigin Anika Oppenhoff. Dann soll auch ihre Nachfolgerin als Prinzessin vorgestellt werden.
Der Einzelhandel lädt anlässlich des zehnten Bad-Geburtstages zu einem Gewinnspiel ein: Es gilt, zehn rote „Zehnen“ in Beerster Betrieben zu finden, die Fundorte im Gewinncoupon (siehe
oben) einzutragen und diesen bis Donnerstag in der Sparkasse Bederkesa abzugeben. Zehn ausgeloste Gewinner werden telefonisch benachrichtigt. Die Preise müssen am 20. August persönlich im Festzelt abgeholt werden.
(Aus dem Sonntagsjournal vom 13.08.2006 v. H. Haastert)