Das Café-Restaurant „Seelust“ zog schon früher viele Besucher an den Beerster See. Im Bereich von Amtsscheune und Amtshaus könnte ein vergleichbarattraktives Angebot wieder entstehen. Dies ist eine Überlegung von Samtgemeinde-Bürgermeister Sven Wojzischke. Foto Archiv

 

 

 

Neue Perspektiven am See gesucht

Ob Aussichtsturm, Rundweg oder Ausflugslokal: Bad Bederkesa will im Kampf um Investoren und Interessenten alle Register ziehen

  

BAD BEDERKESA. Die Diskussion um den Kurpark hat gezeigt, dass der Flecken am Anfang eines langen Weges steht. Dabei geht es nicht nur um ein modernisiertes Areal rund um die Moor-Therme, sondern auch um neue Möglichkeiten am See.

Welche Schritte werden jetzt unternommen? Mit Samtgemeinde-Bürgermeister Sven Wojzischke sprach Redakteur Andreas Schoener.

 

Haben Sie auf der Suche nach einem Betreiber für das gewünschte „Reha-Hotel“ im Kurpark bereits Kontakte geknüpft?

Wir suchen zunächst einen Kooperationspartner aus der Gesundheitswirtschaft, der die Moor-Therme ambulant nutzen möchte, zum Beispiel zur Nachsorge nach einem Krankenhausaufenthalt. Solche Kooperationen sind für die spätere Anerkennung als Moorheilbad wichtig und stellen einen wichtigen Standard für Heilbäder dar. Auch im Rahmen der Anerkennung als „Ort mit Moorkurbetrieb“ ist eine Kooperation sicherlich förderlich.

 

Baut ein solcher Kooperationspartner auch eine „Reha-Klinik“, wie im Masterplan eingezeichnet?

Mittel- und langfristig soll eine stationäre Heileinrichtung im Kurpark entstehen. Nicht nur, um die Therme auszulasten, sondern auch, um den Kur-, Gesundheits- und Tourismus-Standort Bad Bederkesa interessanter zu machen.

 

Gibt es im Prädikatisierungsverfahren eine Frist, innerhalb der sie Resultate vorlegen müssen?

Sicherlich sind Fristen einzuhalten. Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, konkrete Vorschläge und Lösungsansätze zu finden, um unser Verfahren positiv abzuschließen.

Ist der Standort für eine „Reha-Klinik“ direkt an der Moor-Therme ´zwingend erforderlich?

Man sollte keinesfalls frühzeitig andere Standorte ausschließen. Aber ich denke, dass der Betreiber einer stationären Einrichtung gerne über eine direkte bauliche Anbindung an die Moor-Therme verfügen möchte. Insofern ist der Kurpark als Fläche für eine stationäre Einrichtung gut geeignet, zumal auch unser Alleinstellungsmerkmal – das örtlich gebundene Heilmittel Moor – in der unmittelbaren Umgebung verabreichbar wäre.

 

Könnten Sie sich vorstellen, dass eine „stationäre Einrichtung“auch am See gebaut wird, zum Beispiel im Bereich des Amtshauses? Hier ist doch noch viel Platz…

Wir haben durch die Bauleitplanung im Bereich Seebeckstraße bereits deutlich gemacht, dass wir auf hochwertigen Grundstücken als Gemeinde gerne auch hochwertige Nutzung ermöglichen wollen, zum Beispiel durch den Bau von Ferien-Appartements. Insofern ist eine Kureinrichtung am See durchaus vorstellbar. Doch eine Standort-Diskussion ist jetzt verfrüht.

 

Müssen Sie als Gemeinde in finanzieller Zwangslage nicht zusätzliche Register ziehen, um potente Interessenten in den Ort zu holen?

Aufgrund der finanziellen Notwendigkeiten müssen wir uns weiter verstärkt um Attraktivität bemühen. Auch im Zusammenhang mit dem Amtshaus-Areal müssen wir neu denken.

Was meinen Sie damit?

Der Gebäudekomplex wird derzeit durch Kurverwaltung und Touristinfo nicht optimal genutzt.

Mehr kann ich dazu nicht sagen. Das ist Sache der Tourismus GmbH als Eigentümerin des Gebäudes.

 

Bei der Diskussion über den Kurpark ist auch eine stärkere Öffnung zum See gefordert worden. Wo sehen Sie da Perspektiven?

Wir müssen das Thema Wasser insgesamt noch stärker spielen – sowohl für den Kurtourismus als auch für Tagesgäste und Urlauber. Wir sammeln und sichten derzeit alle Vorschläge aus Kurpark-Debatte und Zukunftswerkstatt.

 

Können Sie Trends für neuen Tourismus am Beerster See erkennen?

Wir haben vor einigen Jahren damit begonnen, Flächen am See freizulegen, unter anderem um den Spielplatz herum. Die Strecke zwischen Kurpark und Kanal ist ebenfalls ausgelichtet worden; ebenso am „Dobben“ und um den See herum. Sektoral dürfen wir, nach Absprache mit dem Kreis, Büsche entfernen, damit unser See auch vom Rundweg her besser erlebbar ist. Ein Aussichtsturm im Kurpark könnte dann, eventuell im zweiten Bauabschnitt, ebenfalls für neue Perspektiven auf den See sorgen. Um weitere Betreiber zu interessieren, könnte auch dem historischem Ortskern aufgrund seiner Nähe zum Wasser eine neue Rolle zufallen.

 

Haben Sie Pläne im historischen Ortskern zwischen Burg und See?

Nein. Aber die Amtsscheune zum Beispiel ist ein Gebäude, das als Veranstaltungszentrum wichtige Dienste leistet, jedoch für diese hochwertige Lage nicht umfassend genutzt wird. Es gab im Wirtschaftlichkeitsgutachten, das für die Moor-Therme und die allgemeine Tourismusförderung ausgearbeitet worden ist, die Idee, die Amtsscheune deutlich stärker als bisher zum See hin zu orientieren. Eine gastronomische Nutzung wäre in diesem Zusammenhang durchaus eine Idee, die man erwägen könnte.

 

Denken Sie an ein zusätzliches Angebot „Speisen am See“?

Beschlossen ist in diesem Zusammenhang noch gar nichts. Aber gerade am Kanal hatten wir durch die Schließung des Ausflug-Restaurants „Seelust“ in den 90er Jahren einen schmerzlichen Verlust hinzunehmen. Zwar gibt es das „Dobbendeel“ als attraktiven Standort direkt am See. Aber das erwähnte Gutachten hat darüber hinaus den Vorschlag gemacht, zusätzlich die Amtsscheune so zu verändern, dass sie für die Öffentlichkeit noch interessanter werden könnte. Denkbar wäre zum Beispiel die Öffnung des Gebäudes zum Wasser und der Bau einer Terrasse auf Kanaldeichhöhe mit gastronomischer Nutzung. Wir beschäftigen uns also nicht nur mit dem Kurpark, sondern sind auch intensiv dabei, das Thema Wasser gewinnbringend für uns auszuloten.

 

(aus der Nordsee-Zeitung vom 25.01.2010)

 

 

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