
Ein Kapitel ist beendet: Auch diese Drehständer müssen noch in den Transporter, dann sind die Kammann-Räume an der Mattenburger Straße leergeräumt. Anfang September eröffnet hier das Modehaus Holscher. Gewerbeverein und Verwaltung freuen sich auf das Textilgeschäft aus Loxstedt. Foto as
Kammann geht, Holscher kommt
Loxstedter Modehaus eröffnet an der Mattenburger Straße eine Filiale und schließt damit eine textile Angebotslücke im Ortskern
VON ANDREAS SCHOENER
BAD BEDERKESA. Die letzten Regale werden rausgeräumt, die Drehständer gleich mit. Alles rein in den Wagen – dann stehen die 500 Quadratmeter an der Mattenburger Straße leer. Kammann hat Bad Bederkesa verlassen. Nach Jahrzehnten. Ein neuer Mieter ist in Sicht: Modehaus Holscher mit Stammsitz in Loxstedt wird ab 2. September „nachrücken“. Damit wird eine textile Angebotslücke im Ort geschlossen.
„Wir haben den Standort Bad Bederkesa immer wieder gründlich geprüft und sind der Ansicht, dass das Einzugsgebiet ausreichend ist“, bestätigt Inhaber Wolfgang Holscher auf Anfrage. Man rechne sich gute Chancen aus. „Wir werden den Schwerpunkt auf Damenmode legen und gleichzeitig Herrenmode führen“, kündigt der Unternehmer an.
Acht bis zehn Kräfte sollen im Gebäude an der Mattenburger Straße verkaufen. Wie viele Arbeitsplätze neu geschaffen werden, sei noch nicht klar. Holscher ist ein Bekleidungsanbieter mit Historie und Erfahrung: 1936 von Wilma und Diedrich Holscher in Loxstedt als Lebensmittel- und Berufsbekleidungsgeschäft gegründet und 1954 um Textilien für Damen und Herren erweitert, übernahm Wolfgang Holscher mit Ehefrau Dörte die Firma 1977 in der 2. Generation. Das Modehaus legt den Sortimentsschwerpunkt auf Damen-, Herren- und Kindermode. Zusammen verfügt Holscher über mehr als zehn Fachgeschäfte mit über 85 Mitarbeitern in Bremerhaven, Bremen, Oldenburg und Hamburg. Auch vor diesem Hintergrund bewerten Fleckensbürgermeister Theo Ennen und Samtgemeinde-Bürgermeister Sven Wojzischke den Zuzug des Modehauses Holscher als großen Gewinn für Bad Bederkesa. „Herr Holscher wird ebenfalls Herrenmode anbieten“, zeigen sich beide begeistert. Die Umbauarbeiten beginnen im nächsten Monat. „Somit haben wir ab Herbst wieder zwei bis drei Textiler mit Herrenbekleidung im Ort“, sagt Wojzischke und nennt unter anderem Heike Kuhr, die bereits im April Herrenoberbekleidung ins Angebot genommen hat. „Wenn das kein gutes Zeichen für den Facheinzelhandelsstandort ist.“ Gute Laune gestern auch bei Gewerbevereinschef Andreas Bruske: „Holscher in Bad Bederkesa – das ist eine gute Nachricht, da in den vergangenen Wochen in diesem Gebäude nur noch Resteverkauf stattfand.“ Durch den Zuzug des „guten Textilers Holscher“ werde der Ortskern weiter aufgewertet, freute sich Bruske und verwies auf den Fortgang der Arbeiten im Herzen von Beers. „Nach der Eröffnung des Modehauses Anfang September ist die Einweihungsfeier für die neue Mattenburger Straße Ende September geplant“, verriet der Gewerbevereins-Vorsitzende weiter. Apropos: Holscher hat vor dem Bekenntnis für Bad Bederkesa genau hingeschaut, wie sich die Straße zwischen „Hasengarten“ und Markt verändert. „Der Ausbau hat bei unserer Entscheidung eine Rolle gespielt“, sagt er.
Meine Meinung
Von Andreas Schöner
Mit dem Modehaus Holscher kommt ein modernes Bekleidungsgeschäft nach Bad Bederkesa. Das ist gut für den Ort, weil bei der Herrenbekleidung Lücken sind. Zeit für eine Zwischenbilanz: Gewerblichen Leerstand gibt’s derzeit im „Stüve-Haus“, auch wenn das
Beerster Bürgerteam ihm kreativen Nutzwert verleiht. Schlecker ist in neuen Räumen. Rossmann ebenso. Ein Anbieter mit speziellen Lebensmitteln aus der Region wäre schön. Fest steht: Die Situation des Facheinzelhandels im Ortskern ist heute weniger düster,
als vor Wochen beschrien. Gut Ding will Weile haben, verlangt gemeinsames Handeln. Nur wenn Akteure zu Partnern werden, entstehen fruchtbare Perspektiven.
(aus der Nordsee-Zeitung vom 12.06.2010)