St.-Fabian-Kirche in Ringstedt

„Verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist“

Von Görgen Brockbalz Pastor in Ringstedt:

Eine schöne alte Kirche mitten in einem schönen alten Dorf, das Zentrum des Dorfes und der Kirchengemeinde

Zu dieser gehören die Dörfer Kührstedt, Alfstedt, Lintig, Meckelstedt, Großenhain, Köhlen und Ringstedt mit Hainmühlen und Wüstewohlde. Diese alte Kirche ist nun aber nicht ein schönes Museumsstück, sondern wird kräftig genutzt zu vielerlei Anlässen. Die Gottesdienste und Veranstaltungen sind gut besucht.

Eine Besonderheit? Ganz bestimmt aber ist es etwas Besonderes, dass diese Kirche noch von zwei Gemeinden verschiedener evangelischer Konfession genutzt wird, in dieser Form einmalig auf dem Gebiet unserer Landeskirche. Die lutherische und die reformierte Gemeinde feiern ihre Gottesdienste abwechselnd in der St. Fabian-Kirche. Das wurde vor fast genau 300 Jahren vertraglich festgelegt (Simultaneum, Ringstedter Pfarrvergleich von 1705). Bestimmte Gottesdienste und Feste feiern beide Gemeinden in gemeinsamen Gottesdiensten, auch das Abendmahl mehrmals im Jahr.

„Aha, Konkurrenz belebt das Geschäft“, werden Sie vielleicht denken? Eine kleine Rolle spielt das eventuell. Und ich will auch nicht verschweigen, dass auch die Gefahr darin steckt, die eine Gemeinde gegen die andere auszuspielen. Aber meistens erleben wir etwas Anderes: Wir leben in versöhnter Verschiedenheit miteinander. An vielen Stellen der Gemeindearbeit spielt es gar keine Rolle, ob jemand zur lutherischen oder reformierten Gemeinde gehört.

Die Gemeindearbeit der lutherischen Kirchengemeinde wird nicht allein von Pastor, Diakon und einigen Nebenberuflichen geleistet. Es gibt eine große Zahl an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und auch hier gilt das Wort von der versöhnten Verschiedenheit. Junge und ältere Menschen engagieren sich, sie bringen ihre speziellen Fähigkeiten mit, ihren jugendlichen Elan, ihre Fröhlichkeit oder ihre Lebenserfahrung, ihre Berufserfahrung.

Zum Wohl der Menschen

Paulus schreibt (1. Korinther 12, 4 bis 7): „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt in allen. In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.“ Die Gaben bei uns in der Kirchengemeinde sind ein Reichtum, den wir nicht missen möchten. Wichtig ist uns, dass wir unsere geschenkten Gaben zum Lobe Gottes und zum Wohl der Menschen einsetzen.

So treffen wir uns nicht nur in den verschiedenen Gruppen, beim Gemeindefest oder bei Dankeschön-Treffen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern immer wieder auch in Gottesdiensten. Sie so zu gestalten, dass sie von Gemeindegliedern verschiedenen Alters, verschiedener Lebenssituation angenommen werden, ist uns ein Anliegen. Ich möchte als Beispiel einige nennen: die Krabbelgottesdienste für die ganz Kleinen, vom Diakon und Mitarbeiterinnen liebevoll und kindgerecht gestaltet; die Gottesdienste von Frauen z.B. zusammen mit einer der musikalischen Gruppen gestaltet; die Schulanfänger- und Tauferinnerungsgottesdienste mit den großen Handpuppen Paul, Mina und Opa Rudi.

Die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Und dann natürlich die ganz „normalen“ Gottesdienste: einen Sonntag in Verantwortung der lutherischen Gemeinde, den anderen Sonntag in Verantwortung der reformierten Gemeinde. Wir besuchen uns gegenseitig, stellen Unterschiede fest – und leben damit. In versöhnter Verschiedenheit eben.

(aus der Nordsee-Zeitung vom 30.09.2004)

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