Kirche seit 650 Jahren im Mittelpunkt

Von Burgherren und Rittern gegründet - Dorf vom Reitsport geprägt

Elmlohe. Ich weiß, es gibt ihn wirklich: den viel zitierten Tag, an dem Weihnachten und Ostern aufeinander fallen. Für mich als echtes "Elmloher Kind" war dieser Zeitpunkt gekommen, wenn das alljährliche "Reiterfest" vor der Tür stand. Die heute weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Elmloher Reitertage waren und sind für uns Elmloher neben Geburtstag und Weihnachten das Highlight des Jahres.

Am Donnerstag, bevor der Startschuss für das Turnier fiel, drehten wir auf unseren Fahrrädern Runde um Runde durch das Dorf, um das Eintreffen der ersten Pferdetransporter auf keinen Fall zu versäumen. Aufgeregt wurde zu Hause Bericht erstattet: "Sie sind da!" Damit ging es dann erst richtig los, das Warten: Heute werden die Pferde in riesigen Turnierzelten untergebracht, in meiner Kindheit der 70er und 80er Jahre war es noch üblich, dass Pferd und Reiter bei den örtlichen Bauern ihr Quartier bezogen.

Waren diese dann nach schier endloser Warterei endlich bei uns eingetroffen, ging es hocherhobenen Hauptes zum Nachbarn rüber: "Unsere sind schon da, eure noch nicht?" Auf dem schönen, von alten Bäumen umsäumten Turnierplatz ließen wir dann die Beine von der urigen alten Holztribüne baumeln und beobachteten gespannt das Geschehen. Wir sahen die schönsten Pferde, verfolgten die sportlichsten Leistungen, schwärmten für die flottesten Reiter. Im Programmheft, vom eigenen Taschengeld gekauft, notierten wir die Ergebnisse und ließen uns von jedem Reiter, der des Weges kam, ein Autogramm geben.

Landwirtschaft prägte Bild

Damals prägte in Elmlohe noch die Landwirtschaft das dörfliche Bild, heute ist Elmlohe vor allem bei Pferdefreunden als Reiterdorf bekannt. Inzwischen reisen zu den Elmloher Reitertagen über 1500 Sportpferde mit ihren Reitern und Pflegern an. Olympiasieger, Welt- und Europameister treffen hier auf den Reiternachwuchs, von dem heute wie aber auch damals die Elmloher eine eigene überaus erfolgreiche Riege vorweisen können. Wohl nur wenige Ortschaften haben sich so der Reiterei verschrieben, wie Elmlohe. Mittlerweile gibt es hier neun sowohl kommerziell als auch privat genutzte Reithallen. Und trotzdem stehen auch den Freizeitreitern alle Türen offen. Über 1127 Hektar (ha) Weiden und Wiesen, 261 ha Wald und fast 35 ha Heide- und Moorland bieten sich für Ausritte durch die schöne Natur an.

Und vielleicht, mit viel Glück, trifft man dabei auf den Frosch "Erich von Elme", der den Erzählungen der Elmloher Autorin Edith Jürgens zufolge im Sündermal, einem ehemaligen Sumpfgebiet hinter dem Brinkmoor zu Hause ist. Vielleicht kann man hören, wie er seinen Enkeln von der Gründung und dem Bau der Elmloher Kirche im Jahr 1346 erzählt. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörten die Elmloher nämlich noch zur Pfarre Debstedt. Der allsonntägliche Kirchgang soll jedoch nicht nur weit und beschwerlich, sondern auch mit Gefahr für Leib und Leben verbunden gewesen sein. Durch die "Todvyndschaft" mit den Wurster Friesen kam es geschichtlichen Aufzeichnungen zufolge immer wieder zu Überfällen.

Liebfrauenkirche

So gründeten die Elmloher Burgherren Lüder und Johann von der Lieth zusammen mit einigen Rittern aus Bederkesa im Jahr 1346 die Liebfrauenkirche, die noch heute den zentralen Mittelpunkt des Dorfes bildet. Obwohl dort seit mehr als 650 Jahren Gottesdienste stattfinden, ist die heutige Arbeit in der Kirchengemeinde keineswegs antiquiert. Neben "normalen" Gottesdiensten findet hier regelmäßig der Konfi-Gottesdienst statt, von den Konfirmanden aktiv mitgestaltet und mitgemacht. Ebenso gibt es den Familiengottesdienst, nicht zuletzt der Waldgottesdienst am Himmelfahrtstag, der wie der Name sagt, im Wald abgehalten wird und für viele Elmloher ein lieb gewordenes Ausflugsziel ist: Erst den Waldgottesdienst genießen, dann die Erbsensuppe.

Selbst das World Wide Web hat Einzug gehalten in die alten kirchlichen Gemäuer. Unter der Adresse www.kirche-elmlohe.de bietet Pastor Dirk Woltmann einen virtuellen Rundgang durch die Elmloher Kirche. Unter anderem ist dort auch die steinerne Kanonenkugel zu sehen, die im Original neben dem Eingang der Kirche ins Mauerwerk eingelassen wurde. Sie ist Relikt aus der Belagerungszeit der Liethenburg, die im Jahr 1485 endgültig zerstört wurde.

Übrigens: Von der Dorfstraße in Höhe der Tankstelle Ehlers aus lässt sich noch der ungefähre Standort der Burg erahnen: Sie soll auf dem Hügel der gegenüberliegenden Moorweiden gestanden haben. Auch der Name Elmlohe stammt vermutlich aus der Zeit der alten Rittersleute. Es wird angenommen, dass das Dorf nach den ersten Bewohnern der Burg, der Ritter von Elm, genannt wurde. Erst später kam die Endung Lohe hinzu. Im Jahr 1968 wurde der heutige Ortsteil Marschkamp in die Gemeinde Elmlohe integriert. Wenn man sich da ein wenig umsieht, kann es vorkommen, dass man recht unerwartet auf eine für die Gegend untypische Vogelart trifft. Zwei muntere Straußenvögel leben dort bei Elke und Heinz Müller und verfolgen jeden Tag äußerst interessiert das Geschehen am Rande ihrer Weide.

 

Nur ein kurzer Weg ist es von der Elmloher Kirche zum Gemeindehaus. Dank des kürzlich fertig gestellten Umbaus des Hauses, der in Zusammenarbeit von Gemeinde und Kirche verwirklicht werden konnte, verfügt das Dorf Elmlohe nun über moderne und große Räume, die gern für Veranstaltungen, Vorträge oder auch Feiern genutzt werden. Für ältere Bürger werden hier Seniorennachmittage abgehalten, die Seniorentanzgruppe hat viel Platz zum Üben ihrer Tänze, der Posaunenchor musiziert hier seit über 100 Jahren, der Gemischte Chor ebenfalls. Noch nicht ganz so lang sind Kinderchor und Songgruppe dabei.

Auch die Dorfjugend wurde bedacht. Unter dem reetgedeckten Dach des Fachwerkhauses entstand der Jugendraum, der den Elmloher Jugendlichen zurzeit einmal wöchentlich offen steht. Gemeinsam wird hier Pizza gebacken, am Kicker oder am Billard-Tisch werden Kontakte geknüpft und gepflegt, eine erste LAN-Party (Computer werden zu einem Netzwerk zusammengefügt, damit gemeinsam gespielt werden kann) gab es bereits. "Das könnten wir öfter machen", wünscht sich der 14-jährige Tim Brüns. Auch seine Freunde Torben Uelzen, Max Bachmann, Marco Mittelstädt und Laurin Lohmann sind überzeugt: "Der Jugendraum ist eine richtig gute Einrichtung".

Nur wenige Schritte sind es vom Gemeindehaus zur guten alten Elmloher Grundschule, in der nicht nur ich, sondern auch die fünf Jugendlichen einmal ihre ersten Unterrichtsstunden absolviert haben. "Lasset die Kindlein zu mir kommen" empfängt mich am Eingang der Schule eine Marmortafel aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Schule rief, und seit ihrer Gründung im Jahr 1640 kamen unzählige Elmloher, und später auch Drangstedter Kinder in Scharen.

Das Schulgebäude, zentral gelegen in der Elmloher Dorfmitte, wurde bereits am 1. Oktober des Jahres 1903 eingeweiht. Im Jahr meiner Einschulung 1979 bestand die Elmloher Schule noch aus zwei Klassenräumen, der Pausenhalle und einem kleinen Raum für die Lehrer, damals wurden hier nur zwei Klassen unterrichtet. Mit einem Anbau im Jahr 2002 wurde dies geändert. Zwei weitere Klassenräume, ein Lehrerzimmer und ein Lehrmittelzimmer kamen hinzu. Durch die Fenster fällt mein Blick auf bunte Zeichnungen, von den Grundschülern liebevoll gestaltet und zum Bewundern ausgestellt.

Abenteuerspielplatz

Auch 26 Jahre nach meiner eigenen Schulzeit ist die Schule in Elmlohe für mich noch immer ein Ort, an dem ich mich gerne aufhalte. Der Schulhof, in den 70er und 80er Jahren noch verhältnismäßig sparsam ausgestattet, wandelte sich im Laufe der letzten Jahre zu einem richtigen Abenteuerspielplatz. Tatkräftig dazu beigetragen hat unter anderem der Förderverein, der sich Mitte der 90er Jahre aus Elmloher und Drangstedter Eltern formiert hat. Mit der Einstellung einer Lehrerin zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung ihrer Kinder haben sich diese Eltern sogar mit der Bezirksregierung in Lüneburg angelegt. Wo gibt es heute noch so viel Initiative?

Obwohl sich das Dorfbild in den letzten Jahrzehnten durch viele Neu-, Um- und Anbauten doch sehr verändert hat, stellte ich während meines Rundganges fest, dass der dörfliche Charakter über all die Jahre erhalten blieb. Und das ist gut so!

(aus der Nordsee-Zeitung vom 15.09.2005, Text und Fotos: H. Lemke)

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