Ein Abendspaziergang um die illuminierte Ringstedter St.-Fabian-Kirche eröffnet neue Blickwinkel

Wenn es Nacht wird in Ringstedt, erstrahlt die alte Sankt-Fabians- Kirche im warmen Lichtschein. Seit November wird die Kirche in den Wintermonaten von 19 bis 23 Uhr und zu besonderen Anlässen beleuchtet. Im Sommer wird die Kirche nach Eintritt der Dunkelheit illuminiert.
Es war längst an der Zeit, das uralte Gotteshaus auch nachts ins rechte Licht zu rücken, ähnlich wie in Lamstedt, Neuenwalde und Elmlohe. Ein Jahr lang trug sich Bürgermeister Erich Glandorf mit diesem Gedanken. „Ich hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis so beeindruckend würde“, sagt er nun. Er konnte die evangelisch-lutherische wie die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde für die Realisierung des Projekts gewinnen. Beide übernehmen anteilig die Stromkosten. Die Anschaffung der Strahler wurde von der Gemeinde Ringstedt finanziert.
Mit vergleichsweise kleinem Aufwand wurde eine große Wirkung erzielt. Vom Kührstedter Fachbetrieb für Elektrotechnik Meyer & Würl wurden zwei 400-Watt-Strahler im Osten der über 800 Jahre alten Kirche besonders effektvoll positioniert. Seitdem ergeben sich völlig neue Blickwinkel auf Kirche und Kirchhof.
Der nun sanft angeleuchtete verwitterte Grabstein einer Familie aus Lintig erinnert daran, dass der Kirchhof einmal Friedhof des gesamten Kirchspiels war. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Toten aus Alfstedt, Ankelohe, Großenhain, Lintig, Meckelstedt, Hainmühlen, Köhlen, Kührstedt und natürlich Ringstedt hier beerdigt. Manche Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk, ein kleines zugemauertes Fenster und eine Tür treten erst im Lichtschein plastisch hervor. Auch die Größe der Turmuhr mit ihren markanten römischen Zifferwerk wird im Licht der Scheinwerfer deutlich.
Die Dohlen, die tagsüber auf den Zeigern sitzen, sind zu später Stunde längst verschwunden. Den schönsten „Nacht-Blick“ auf St. Fabian gibt es nicht. Die Perspektiven sind vielfältig. Ob in sternenklarer Nacht ein schmaler Sichelmond neben dem Glockenturm aufscheint oder bei einem Spaziergang auf dem erhöhten Kirchhof die Silhouetten der alten Linden stehen: Der Blick auf die Häuser der Straße „Sick“ ist frei, auf das lutherische Pastorenhaus, die neue Molkerei des Hofes Hildebrandt oder die früheren Höfe Mangels und Roes. „Sick“ bedeutet übrigens „wasserführende Senke“. Allerdings muss man nicht befürchten, sich nasse Füße zu holen, wenn man den „Klassik-Hof Brinkmann“ passiert, um sich dann für einen Abendspaziergang um die Kirche oder die größere Tour um den Sick zu entscheiden.
Man erreicht St. Fabian sowohl von Kührstedt als auch von Köhlen oder Hainmühlen aus, indem man der Ringstedter Ortsdurchgangsstraße bis zum Lichtschein folgt. Selbst in nasskalter „Winter- Romantik“ kommt der Besucher nicht um die Erkenntnis herum: So in Licht gehüllt, ist die Ringstedter St.-Fabian-Kirche schlicht und einfach schön.