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Bederkesaer Amtmann 1859 auf Wartegeld gesetzt
Auch im Königreich Hannover, in dem Bederkesa lag, kam es zu Verwaltungsreformen, weil die Regierung Beamtenstellen einsparen wollte.
So hob sie 1852 viele kleine Ämter auf und schlug deren Gebiet größeren Verwaltungseinheiten zu.
Das Amt Bederkesa entging damals diesem Schicksal, musste aber Federn lassen. Ihm wurde die Börde Debstedt genommen. 1859 schlug dann aber auch Bederkesa die Stunde. Im Mai wurde die Amtsverwaltung aufgelöst und das Gebiet dem Amt Lehe zugeschlagen. Hierhin wanderte auch der Hauptinhalt der Registratur. In Bederkesa verblieben nur die Akten, die auf den so genannten Sprechtagen, die von nun an dort regelmäßig von einem Beamten des Amtes Lehe abgehalten wurden, zur Hand sein mussten.
Auf die Bederkesaer Beamten wartete folgendes Schicksal: Einen Teil versetzte die Regierung Stade, damals Landdrostei genannt, an benachbarte Ämter, andere wurden dagegen auf „Wartegeld“ gesetzt, d. h. auf sie wartete der einstweilige Ruhestand. Letzteres widerfuhr auch Amtmann Friedrich von der Decken. Der 57-Jährige, der 35 Dienstjahre vorzuweisen vermochte, hatte am 29. August 1839 die so genannte 2. Beamtenstelle, d. h. die des Amtsassesors, in Bederkesa übernommen und war im Oktober 1852 zum Leiter (Amtmann) des verkleinerten Amtes Bederkesa ernannt worden. Zuvor hatte der Sprössling einer der bekanntesten Adelsfamilien im Gebiet der Weser- und Elbmündung von 1827 an für zwei Jahre als „Supernumair Assessor“ beim Amt Bremervörde gewirkt, dann erhielt er seine Versetzung an das Amt Fallingbostel. Im Oktober 1834 erfuhr der Jurist seine Ernennung „zum 3. Beamten bei dem Amte Winsen a. d. Luhe“.
Die Versetzung auf Wartegeld bedeutete für den Amtmann eine empfindliche finanzielle Einbuße. Sein letztes Diensteinkommen belief sich auf rund 1.647 Taler, nun musste er sich mit 1.098 Taler Wartegeld begnügen.
Eine Reaktivierung erfuhr v. d. Decken nicht mehr, er starb noch 1859 nach längerer Krankheit. Diese hatte seine Amtsführung während der letzten Monate stark beeinträchtigt. Als Eigentümer des Gutes Eggerkamp fand der Adelige seine letzte Ruhe im Familienbegräbnis in Krummendeich. Ob seine Witwe Cäcilie Adelheid Mathilde geb. v. d. Decken mit ihren Kinder auf das Gut zog, geben die vorliegenden Akten des Staatsarchivs in Stade nicht preis.
1849 gehörte Friedrich v. d. Decken auch das Gut Balje, das er von seinem Vater, dem Major Heinrich Wilhelm Alexander v. d. Decken, geerbt hatte. Der Major besaß ebenfalls das Gut Oerichsheil im Kehdingischen. Die Mutter des Amtmannes, Luise v. d. Decken, verbrachte ihren Lebensabend in Bremervörde, wo sie 1842 starb. Im gleichen Jahr verschuldete sich ihr Sohn beim Kloster Neuenwalde mit 1.400 Talern. Wozu der Beamte, der in Bederkesa in dem Gebäude wohnte, das heute unter der Bezeichnung Amtshaus läuft, das Geld benötigte, ist nicht bekannt, wohl aber, dass in seinem Stall 1841 zwei Schimmel standen.
Übrigens spielte die Adelsfamilie auch zu früheren Zeiten eine gewichtige Rolle in Bederkesa, so zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Von 1800 bis 1818, allerdings mit einer Unterbrechung zur Franzosenzeit, bekleidete Burchard v. d. Decken als Drost den Amtsleiterposten in Bederkesa.
Beplate
(aus Bederkesaer Rundschau April 2006)
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Hoffmann von Fallersleben weilte zwei Mal in Bederkesa
Eine der Straßen, an der Bederkesas renommiertester Hotelkomplex liegt, trägt den Namen des Dichters unserer Nationalhymne. Warum man die Straße nach Hoffmann von Fallersleben benannte, lässt sich bei Hermann Allmers nachlesen. Der Dichter weilte auf dem Vorgänger des heutigen Hotelkomplexes, dem kleinen Gut Bösenhof von Hauptmann a. D. Heinrich Böse. Der dichtende Professor hatte seine Anstellung in Breslau verloren, weil seine politischen Ansichten der preußischen Regierung missfielen und reiste von nun an viel in Deutschland umher. Der Entlassene setzte sich für ein geeintes Deutschland ein, dieses ging ihm über alles. Die Kleinstaaterei auf deutschem Boden sollte ein Ende haben und damit Deutschland nicht immer wieder als Schlachtfeld dienen.
Der Professor reiste nach seiner Entlassung gerade in den Kleinstaaten umher, so auch im Königreich Hannover. Allerdings nicht gerade zur Freude der dort Regierenden, die befürchteten, ihre Untertanen könnten den liberalen Gedankengängen Hoffmanns etwas abgewinnen. Daher mussten die Unterbehörden ein wachsames Auge auf den Reisenden werfen. Auch die Landdrostei (Regierung) in Stade erhielt einen Überwachungsauftrag, den sie an ihre Polizeibehörden und unteren Verwaltungseinrichtungen weitergab. Der schriftliche Niederschlag dieser Aktion gehört heute zum Bestand des Staatsarchivs in Stade.
Unter den zumeist vertraulichen Berichten findet sich auch der der Bederkesaer Amtsverwaltung. Er wurde am 3. Oktober 1842 von Amtsassessor Wyneken zu Papier gebracht und an Landdrost von Bülow in Stade geschickt. Der Bederkesaer Beamte berichtete, er habe erfahren, "daß der Professor Hoffmann, genannt von Fallersleben, vor gut 14 Tagen bey dem Hauptmann Böse gewesen ist, gegessen hat und dann von diesem nach Bremerhafen begleitet ist". Über den weiteren Weg des Observierten vermochte Wyneken keine Angaben zu machen, wohl aber, wo sich dieser vor seinem wohl nur stundenweisen Aufenthalt in Bederkesa bewegt hatte. Nämlich in Cuxhaven, im Lande Hadeln und in Kehdingen. "Zu derselben Zeit (d. h. zu der Hoffmann die benannten Orte bereiste) ist auch Böse auf zwey bis drey Tage von seinem Hause abwesend gewesen unter dem Vorgeben, das er seine Höfe im Lande Hadeln besuche". Daraus schloss der Assessor: "Demnach scheint damals schon Böse mit Hoffmann in Cuxhaven zusammengetroffen zu seyn". Zudem glaubte der Berichterstatter ausschließen zu können, auf Böses Gut habe eine Versammlung stattgefunden. Hierunter verstand die Behörde ein Treffen liberal gesinnter Männer, die sie mit Revolutionären gleichsetzte.
Mit der Cuxhaven-Vermutung traf Wyneken übrigens ins Schwarze. Unter den 25 Hofbesitzern usw., die sich am 18. September 1842 "im Hotel Belverdere beim Gastwirth Dölle zu Cuxhafen" trafen, gehörte tatsächlich auch Heinrich Böse aus Bederkesa, ein notorischer Oppositioneller. Es besaß im Lande Handeln Grundbesitz.
1845 besuchte Hoffmann, der inzwischen einen Aufenthalt auf Helgoland hinter sich gebracht hatte, noch einmal die hiesige Gegend. Laut Bericht des Otterndorfer Amtmanns Dodt kam der Dichter auch wieder nach Bederkesa auf Gut Bösenhof. Dort weilte er am 30. und 31. Juli 1845.
Beplate (aus der Bederkesaer Rundschau, Mai 2006)
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Langes Ringen um Anerkennung
Bederkesa ist seit zehn Jahren ein Bad – Feier zum Jubiläum

Von Christoph Bohn
Bad Bederkesa. Der Zusatz „Bad“ ist vom Ortsnamen Bederkesa nicht mehr wegzudenken. Vor zehn Jahren bekam ihn der Ort verliehen – eine Tatsache, die während des Seefestes (17. bis 20. August) groß gefeiert werden soll. Aber bereits jetzt arbeitet alles auf das Jubiläum hin.
So ist in der Tourist-Info seit kurzem der Gästeführer „Der kleine Ortsspaziergang“ erhältlich. Im handlichen Format gibt er einen Überblick über alle großen und kleinen Sehenswürdigkeiten von Bad Bederkesa sowie die touristischen Angebote der umliegenden Dörfer. „Der Gästeführer bietet Gästen aus Nah und Fern eine gute Möglichkeit, die besondere Erlebnis- und Wohlfühlqualität zu entdecken, die durch die Verbindung von Naturlandschaft, Sehenswürdigkeiten und Gastronomie in und um Bad Bederkesa geboten wird“, meint Samtgemeindebürgermeister Sven Wojzischke. Dabei habe der Gästeführer eine lange Tradition. Bereits 1898 erschien der erste Ortsführer, eine weitere Auflage erschien 1927.
Neben dem „Veranstaltungskalender 2006“ ist aber die Festschrift „10 Jahre Bad
Bederkesa“ das zentrale Dokument. Immerhin wird dort die alte Kur-Tradition des jungen Moorheilbades beleuchtet. „Der Erholungswert unserer schönen Landschaft hat seit dem 17. Jahrhundert immer wieder pensionierte Verwaltungsbeamte oder Offiziere und begüterte Kaufleute veranlasst, in Bederkesa ihren Ruhesitz zu nehmen“,
weiß Wojzischke. Besondere Bedeutung habe aber das gute Quellwasser gehabt – ein Wasser, das gesundheitsfördernde Wirkung hatte, weshalb die Quellen als Heilquellen galten. Der früheste Hinweis hierzu stammt aus dem Jahr 1722. Damals bekam die lahme Tochter eines Pastoren aus Otterndorf durch Baden in dem schwefelhaltigen Wasser einen Teil ihrer Beweglichkeit wieder.
„Besonders das Brunnenholz – das Wäldchen, das sich über die Karolinenhöhe
erstreckte – mit seinem klaren und gesunden Quellwasser kann als Ursprung der einsetzenden touristischen Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert angesehen werden“, meint Wojzschke. In der Folgezeit wurde jedoch mehr und mehr die Seeregion interessant: So fuhr 1867 ein Dampfschiff auf dem See, und ab 1876 wurden Ruder und Segelboote vermietet. Ende Mai 1896 wurde die Eisenbahn eingeweiht, was dem Tourismus einem neuen Anstoß gab – auch wenn viele Fahrgäste bereits in Drangstedt ausstiegen.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erste Anläufe, einen Kurbetrieb zu schaffen und als staatliches Moorbad anerkannt zu werden. 1904 baute der junge Burg-Gastwirt Martin Mohrmann mit Schlamm aus dem See und dem klaren Wasser aus dem Brunnen einen Kurbetrieb mit Schlamm- und Schwefelbäder auf. Doch als der Gastwirt 1906 an einer Lungenentzündung starb, bedeutete das auch gleichzeitig das Ende seines Traumes. Anfang
1929 wurde ein „Ausschuss für Gründung eines Schwefelmoorbades“ gebildet. Doch am 4. November 1930 fanden die Bestrebungen ein Ende, als der Vertreter der Krankenkassen des Unterwesergebiets mitteilte, dass nach Eröffnung des Moorbades Bramstedt in Schleswig-Holstein kein weiteres Bad unterstützt werden könne.
Begehrter Zusatz
Erst ab den 1970er Jahren bekam Bederkesa die ersten Titel zuerkannt: „Luftkurort“, „Moorheilbad“ und schließlich im Jahr 1996 den begehrten Zusatz „Bad“. „Doch damit war die Erfolgsgeschichte von Bederkesa nicht beendet“, betont Wojzischke und nennt als weitere Punkte: 1999 Bau der Ortsumgehung, 2000 Museumsbahn nimmt ihren Betrieb auf, 2002 Teileröffnung des Moorlehrpfads, 2003 Gesamteröffnung, 2004 Eröffnung der Moortherme, 2005 Eröffnung der Moorbahn und schließlich 2006 die Entschlammung des Sees.
Aber auch in Zukunft soll sich Bad Bederkesa weiterentwickeln. Ein erster kleiner Schritt war die Entfernung von Büschen am See. „Dadurch hat man jetzt wieder freien Blick von der Burg aufs Wasser. Deswegen kommen viele Besucher“, meint Wojzischke. Für die Zukunft sieht der Samtgemeindebürgermeister eine große Chance im geplanten Ferienhausgebiet.
Das steigere nicht nur die Kaufkraft, sondern sorge auch für eine bessere Auslastung der öffentlichen Infrastruktur wie Moortherme und Burg. Des Weiteren stehe die Sanierung des Ortskerns mit Amts- und Mattenburger Straße an. „Es geht um das Kunststück, zum einen den Pkw den Zugang zu den Geschäften zu ermöglichen, zum anderen aber die Emissionen zu reduzieren“, sagt Wojzischke. Hierzu könnten auch EU-Gelder beantragt werden, schließlich gehe es um die Entwicklung eines ganzen Ortes.
Doch vorerst steuert alles auf das diesjährige Seefest mit der Jubiläumsfeier zu. Von Donnerstag, 17., bis Sonntag, 20. August, soll groß gefeiert werden. Dabei sind neben den üblichen Festivitäten mehrere Sonderaktionen zum Jubiläum geplant. So steigt an dem Donnerstag ab 19 Uhr die offizielle Eröffnungsfeier. Einen Tag später findet um 11 Uhr eine Talkrunde zum Thema „10 Jahre Bad Bederkesa – welche Hoffnungen und was davon
übrig geblieben ist“ statt. Ein Höhepunkt soll am Sonntag die Krönung der Sonnenblumenkönigin werden. „Dieses Jahr werden alle befreundeten Majestäten in Cabrios durch den Ort gefahren“, verrät Alice Roes von der Tourismus-, Kur- und Freizeit-GmbH.
Zehn Jahre „Bad“ Bederkesa sind für Wojzischke ein Grund zum Feiern, obwohl der Flecken als Kurort schon 300 Jahre bekannt gewesen ist. „Wenn es damals glücklicher für uns gelaufen wäre, wäre Bederkesa der erste Kurort Niedersachsens geworden. Das Potenzial dafür hatte der Ort“, ist er überzeugt.

Auszug aus dem Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung vom 09.07.2006
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