Stand in Bederkesa ein zweite Burg?

Kreisarchäologe: Neue Erkenntnisse über Ringwallanlage im Holzurburger Wald – Grabungstechniker nach Kahlschlag aktiv

 

 

Stand im Holzurburger Wald einst  eine Festung– noch älter als die nahe Burg, deren Wurzeln bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen? Spuren, die der Kreisarchäologe Matthias D. Schön und seine Mitarbeiter dort jetzt fanden, deuten darauf hin. Die Grabungstechniker rekonstruierten außerdem die Ringwallanlage. Sie ist viel größer als angenommen.

 

Ein Rätsel ist auch noch zu lösen. Denn östlich des äußeren Ringwalls, nicht weit von der Anlegestelle am See,  stießen die Experten in einem Meter Tiefe auf ein Rotstein-Pflaster. „Außerdem fanden wir dort vor einer Woche

Ziegel, wie sie bis ins hohe Mittelalter für den Bau von Klostern und Burgen verwendet wurden“, berichtet der Kreisarchäologe.

 

Eigentlich hatten die Techniker nur feststellen wollen, wie weit der östliche äußere Ringwall sich ausdehnt,

als sie die überraschenden Funde machten. Dazu zählen auch Keramikscherben aus dem 13./14. Jahrhundert. Schön: „Das bedeutet, dass es dort bis ins 14. Jahrhundert eine bewohnte Anlage gab. In welchem Verhältnis diese

Siedlungsspuren zu der benachbarten Wallanlage stehen, ist derzeit noch unklar.“

 

 

Gleich reagiert

Dass Schön und sein Team ausgerechnet jetzt im Holzurburger Wald nach den Spuren der Vergangenheit

suchen, liegt an der Fällaktion der Revierförsterei. Die rund drei Hektar große kahl geschlagene Fläche grenzt im Westen direkt an die alte Ringwallanlage. „Wir nutzten die Gelegenheit, vor der geplanten Neuanpflanzung

den Verlauf der Wallanlage mit relativ geringem Grabungsaufwand festzustellen“, berichtet Schön.

 

Denn sowohl die Gestaltung des inneren Bereichs der Ringwallanlage als auch Verlauf und Ausdehnung

des äußeren Walls sind bis heute nicht geklärt. Der Kreisarchäologe: „Der Wall im Forst war immer wieder Gegenstand verschiedener Überlegungen. So wird auch spekuliert, ob es dort einen Vorgänger der Burg Bederkesa gegeben haben könnte.“

 

Dafür spreche zum Beispiel eine Karte von 1768. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme war noch vom „Holz zur Burg“ die Rede und kartografisch vermerkt: „Rudera (Reste), vom Alten Schloss“. „Rund hundert Jahre später hat der berühmte Landvermesser Papen keine Burg mehr erwähnt, 1899 war dann aber wieder auf einer Karte von einem Burg- Platz die Rede“, berichtet der Kreisarchäologe. Die genaueste Aufnahme stamme von Carl Schuchardt (1859 –1943), einem der größten deutschen Prähistoriker. Er verglich die Holzurburger Anlage mit ähnlich gestalteten wie in Gent (Belgien) und in Gisors (Frankreich), wo die Wälle Schlösser im Inneren schützten. Schön: Vielleicht stand also auch hier einmal eine Burg, wahrscheinlich aus Holz.“ Weitere Grabungen seien dingend notwendig, um mehr Informationen zu sammeln.

 

Schön denkt aber weiter: „Sinnvoll wäre es, den Kernwall zu rekonstruieren, den gesamten Wallverlauf zu kennzeichnen, das Gelände

mit Fußwegen zu erschließen und mit Info-Tafeln zu versehen. Das alles ließe sich hervorragend

zusammen mit der Burg für den Tourismus nutzen.“

 

(aus der Nordsee-Zeitung vom 11.02.2006, Text: us)

 

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